Kreta ist Griechenlands größte Insel – rund 250 Kilometer lang und so vielfältig, dass man bei jedem Besuch das Gefühl hat, ein anderes Kreta zu entdecken. Die Nordküste ist erschlossen, mit Resorts, Strandpromenaden und direkten Flugverbindungen aus halb Europa. Die Südküste ist wild, oft nur über Serpentinenstraßen erreichbar, und zeigt ein Kreta, das sich dem Massentourismus konsequent entzieht. Wer beiden Seiten gerecht werden will, braucht mindestens zehn Tage – und ein Auto.
Im Norden liegt Knossos, der bedeutendste minoische Palast Europas und das Herzstück einer Zivilisation, die mehr als tausend Jahre vor dem antiken Griechenland blühte. Die Ausgrabungen, die der britische Archäologe Arthur Evans zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann, sind kontrovers – Evans rekonstruierte Teile des Palastes mit einer Freiheit, die moderne Archäologen kritisieren – aber die Dimension des Komplexes, die Fresken und die Vorstellung, dass hier der Minotauros-Mythos seinen Ursprung hat, machen Knossos zu einem der eindringlichsten archäologischen Orte im Mittelmeerraum. Ein Guide lohnt sich hier mehr als anderswo.
Die Samaria-Schlucht im Westen der Insel ist Europas längste begehbare Schlucht – 16 Kilometer von der Hochebene des Omalos bis zum Dorf Agia Roumeli an der Südküste. Der Abstieg dauert vier bis sechs Stunden, an engen Stellen sind die Felswände keine fünf Meter voneinander entfernt. Im Mai blühen hier wilde Orchideen. Am Ende wartet das Libyer Meer, ein kleines Fischerdorf ohne Straßenanbindung und das Gefühl, etwas Echtes geleistet zu haben. Abreise aus Agia Roumeli nur per Schiff oder zurück durch die Schlucht – beides ist akzeptabel.
Elafonissi im äußersten Südwesten ist einer dieser Strände, bei denen man beim ersten Anblick versteht, warum Fotos keine Übertreibung sind: Das Wasser ist türkisfarben, der Sand rosa gefärbt durch gemörserte Korallenreste. Der Strand ist flach und sicher, die Lagune hüfttief. Auch hier gilt: wer kommt, kommt früh, bevor die Tagesausflügler eintreffen. Rethymno, in der Mitte der Nordküste, ist das schönste Städtchen Kretas mit venezianischer Altstadt, einem osmanischen Minarett und einer Promenade, die nicht nur für Touristen gebaut worden zu sein scheint.
Über die kretische Küche ließe sich ein eigener Artikel schreiben. Das Olivenöl – kaltgepresst, intensiv, mit einem Grünton, den man anderswo kaum findet – ist das beste des Landes, vielleicht das beste der Welt. Dazu: frischer Mizithra-Käse, Dakos (Zwiebück mit Tomaten und Feta), gegrillter Oktopus, der auf Wäscheleinen in der Sonne getrocknet wurde. Der kretische Tsipouro, ein klarer Tresterbrand, wird bei jedem Restaurantbesuch ungefragt gebracht. Eine ehrliche Empfehlung zum Schluss: Der Westen rund um Chania ist authentischer als der Osten; wer Heraklion als Basis wählt, ist nicht schlecht positioniert, verpasst aber das Beste.
Was man wissen sollte
- 01Mietwagen ist unverzichtbar: Die besten Strände, Schluchten und Dörfer Kretas liegen abseits der Hauptstraßen. Ohne eigenes Fahrzeug bleibt man im Tourismus-Korridor gefangen. Kleine SUVs sind empfehlenswert für die Schotterpisten im Süden.
- 02Juli und August meiden: Kreta ist im Hochsommer heiß (38–42 Grad), voll und teuer. Mai, Juni und September sind die besten Monate – das Meer ist warm, die Strände erträglich, die Preise niedriger.
- 03West vs. Ost: Chania und Umgebung (Westküste) ist ruhiger, grüner und architektonisch schöner. Die Ostküste rund um Agios Nikolaos und Elounda hat exklusive Resorts, ist aber stärker kommerzialisiert. Für einen ersten Besuch empfiehlt sich der Westen.
- 04Agrotourismus erwägen: Kleine Familienbetriebe im Landesinneren bieten Olivenöl-Verkostungen, Käseherstellung und oft ein Frühstück, das besser ist als alles im Hotel. Bookings über lokale Vermittler oder direkt vor Ort.
- 05Minoische Stätten mit Guide besuchen: Knossos, Phaistos und Akrotiri erklären sich ohne Kontext kaum. Ein guter Archäologie-Guide – oft selbst Einheimischer mit akademischer Ausbildung – verwandelt Steinruinen in lebendige Geschichte.
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