Die türkische Ägäisküste ist in Deutschland vor allem durch zwei Namen bekannt: Bodrum und Kusadasi. Beide sind gut erschlossen, beide haben ihre Qualitäten – und beide zeigen in der Hochsaison das, was passiert, wenn ein Reiseziel zum Produkt wird. Wer bereit ist, etwas tiefer in die Karte zu schauen, findet eine ganz andere Ägäis: ruhiger, individueller, und mit einer Küche, die weit über Touristenmenüs hinausgeht.
Alaçatı, ein kleines Städtchen auf der Çeşme-Halbinsel westlich von Izmir, ist vielleicht das schönste Dorf an der türkischen Ägäisküste. Die Altstadt besteht aus alten griechischen Steinhäusern in sanften Grau- und Ockertönen, überrankt von Bougainvillea; die Gassen sind zu schmal für Autos, die Restaurants klein und handgemacht. Alaçatı ist auch der beste Windsurf-Spot der Türkei – der Meltemi-Wind weht zuverlässig, und die Bucht ist flach genug für Anfänger. Abends sind die Tavernen in den Steingassen voll mit Einheimischen aus Izmir, die am Wochenende herkommen. Das ist ein gutes Zeichen.
Foça, nördlich von Izmir gelegen, war in der Antike die Stadt Phokaia – Ausgangspunkt der phokäischen Kolonisatoren, die unter anderem Marseille gründeten. Heute ist Foça ein verschlafenes Städtchen mit zwei Buchten, einer kleinen Festung und einem Hafen, von dem Fischerboote und gelegentlich Ausflugsboote ablegen. In den Buchten um Foça werden gelegentlich Mittelmeer-Mönchsrobben gesichtet – eine der seltensten Robbenarten der Welt – was dem Ort einen zusätzlichen Schutzstatus verleiht. Tourismuslärm ist hier strukturell begrenzt.
Die Datça-Halbinsel ist ein Fall für sich: schmal, lang, von zwei Meeren umgeben, und schwer zu erreichen. Genau das macht sie besonders. Die Straße von Marmaris nach Datça schlängelt sich durch Bergwälder mit Mastix-Pistazien, deren Harz seit der Antike geerntet wird und als Kaugummi, Likör und Gewürz verwendet wird. An den Spitzen der Halbinsel liegen die Ruinen von Knidos, einer griechischen Kolonie mit einem der außergewöhnlichsten Stadtgrundrisse der Antike. Bozburun, ein kleines Seglerdorf etwas westlich von Marmaris, ist der beste Ausgangshafen für eine Gulet-Chartertour durch die Buchten der Region.
Das Ehrlichste, was man über die türkische Ägäis sagen kann: Sie erschließt sich am besten auf eigene Faust. Ein Mietwagen ab Izmir oder Bodrum, kein festes Programm, keine gebuchten Restaurants – und die Bereitschaft, in Ortschaften zu halten, die auf keiner Sehenswürdigkeitsliste stehen. Wer einmal in einer kleinen Karpuz-Çay-Teestube gesessen hat, von der aus man auf eine stille Bucht blickt, weiß, worum es geht.
Was man wissen sollte
- 01Beste Reisezeit Mai–Juni und September–Oktober: Juli und August sind heiß, voll und teuer. Wer die Ägäis für sich haben möchte, reist im Frühling oder im frühen Herbst – das Meer ist noch warm, die Küsten noch ruhig.
- 02Gulet-Charter für Gruppen: Für vier bis acht Personen kann eine Gulet-Wochencharter günstiger sein als entsprechende Hotelkosten. Die hölzernen Segelschiffe sind traditionell, komfortabel und bieten Zugang zu Buchten, die per Land nicht erreichbar sind.
- 03Küche abseits der Touristenzonen: Die türkische Küche ist eine der reichhaltigsten der Welt – aber nur, wenn man die auf Touristen ausgerichteten Restaurants meidet. Zeigen Sie auf das, was der Tisch nebenan hat. Mezeplatten am Nachmittag sind besser als jedes Menü.
- 04Ein paar türkische Wörter lohnen sich: „Merhaba" (Hallo), „Teşekkürler" (Danke) und „Ne kadar?" (Wie viel kostet das?) öffnen mehr Türen als gedacht. Abseits der Touristenzentren ist Englisch selten verbreitet – das ist keine Einschränkung, sondern eine Einladung.
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