Marrakesch ist schön. Das stimmt. Der Djemaa el-Fna bei Einbruch der Dunkelheit, wenn Schlangenbeschwörer, Geschichtenerzähler und Grillstände das Licht und den Lärm teilen, gehört zu den großen Plätzen der Welt. Aber Marrakesch ist auch überlaufen, teuer, und wer nach drei Tagen das Gefühl hat, die Medina kenne schon sein Gesicht, liegt nicht ganz falsch. Wer Marokko wirklich verstehen will, muss weiterfahren.
Fes ist eine andere Welt. Die Medina Fes el-Bali ist UNESCO-Welterbe und gilt als eine der größten autofreien Stadtgebiete der Erde – rund 150.000 Menschen leben hier, Esel sind das Haupttransportmittel. Die Ledergerberei Chouara, von einer der umliegenden Terrassen aus betrachtet, ist einer dieser Anblicke, die man nicht leicht vergisst: Dutzende runde Steinbecken in Rot, Gelb und Braun, Männer bis zur Hüfte in Farbsud stehend, der Geruch von Ammoniak in der Luft. Fes ist ungeschönter, unbequemer und ehrlicher als Marrakesch – und genau darin liegt sein Wert.
Wer den Hohen Atlas überquert, verändert das Land um sich herum in wenigen Stunden grundlegend. Hinter dem Tizi n'Tichka-Pass, auf rund 2.260 Metern, öffnet sich der Blick auf die Südflanke des Gebirges: trockener, karger, dramatischer. Die Straße nach Ouarzazate führt durch das Draa-Tal mit seinen Dattelpalmen-Oasen und Ksour – Lehmfestungen, die sich kaum von der ockerfarbenen Landschaft unterscheiden. Ouarzazate selbst ist ein bescheidenes Städtchen, das seinen Ruf als „Hollywood Afrikas" den Filmstudios vor den Toren der Stadt verdankt – Lawrence von Arabien, Gladiator und Szenen aus Game of Thrones wurden hier gedreht.
Aït Benhaddou, eine halbe Autostunde von Ouarzazate, ist der bekannteste Ksar Marokkos und ebenfalls UNESCO-Welterbe. Die Lehmburg über dem ausgetrockneten Flussbett ist beeindruckend und gleichzeitig ein gutes Beispiel dafür, was passiert, wenn ein Ort zu berühmt wird: Souvenirhändler überall, geführte Gruppen in Schlangen. Wer früh morgens kommt – oder besser noch, nach 17 Uhr – erlebt Aït Benhaddou so, wie es gemeint ist: als Kulisse, nicht als Spektakel.
Das Ziel vieler Marokko-Reisenden ist Merzouga, das Tor zu den Erg Chebbi-Dünen. Dass man Kamele bei Sonnenuntergang über Sanddünen zu einem Berber-Camp reitet, klingt nach Klischee – und stimmt doch als Erfahrung. Die Stille in der Wüste nach Einbruch der Dunkelheit, der Sternenhimmel ohne Lichtverschmutzung, der Tee am Lagerfeuer: Das sind keine inszenierten Momente, sondern schlicht das, was die Wüste seit Jahrtausenden bietet. Marokko ist groß genug für all das – man muss nur bereit sein, weiter zu fahren als bis zum nächsten Souk.
Was man wissen sollte
- 01Beste Reisezeit Oktober bis April: Der Sommer ist in den Wüstenregionen unerbittlich heiß (über 40 Grad). Oktober bis April bietet angenehme Temperaturen, auch wenn es im Atlas im Winter schneien kann.
- 02Kleidung beachten: In ländlichen Regionen und kleinen Städten wird dezente Kleidung geschätzt – Schultern und Knie sollten bedeckt sein. Das gilt für alle Geschlechter und ist eine Frage des Respekts.
- 03Bargeld in Medinas: In den alten Stadtvierteln und auf Märkten wird fast ausschließlich bar gezahlt. Wechseln Sie Geld in offiziellen Wechselstuben oder Banken, nicht auf der Straße.
- 04Führung in Fes sinnvoll: Die Medina von Fes ist eines der komplexesten städtischen Labyrinthe der Welt. Ein offizieller Guide vom Tourismusbüro lohnt sich für den ersten Tag – danach findet man sich besser zurecht.
Passende Reisen
Marokko entdecken
Pauschalreisen nach Marokko – mit erfahrenen Veranstaltern.
Marokko-Reisen finden Zurück zum Magazin